Über: Litauen, Zeittafel

Die Geschichte der mittel- und osteuropäischen Staaten ist im Westen meistenteils als Block, dem ehemaligen Ostblock, wahrgenommen worden. Umso wichtiger ist die Darstellung der Geschichte der einzelnen Länder, die alle sehr spezifische Entwicklungen durchgemacht haben. Nicht zuletzt damit erklären sich Einstellungen und Mentalitäten ihrer Bewohner.

ca. 1250
Fürst Mindaugas schließt litauische Stämme zu einem Staat zusammen.

1316-41
Unter Großfürst Gediminas werden weissrussische und ukrainische Fürstentümer angegliedert.

1386
Vereinigung Litauens mit Polen.

ab 1387
Christianisierung Litauens, des letzten heidnischen Staates in Europa.

1410
Schlacht bei Tannenberg. Entscheidende Niederlage des Deutschen Ordens durch das polnisch-litauische Heer.

1569
Lubliner Union zwischen Litauen und Polen führt zu einem Staat.

1795
Bei dritter polnischer Teilung erhält Russland Litauen und Kurland.

1915
Im Zuge des ersten Weltkrieges wird ganz Litauen von deutschen Truppen besetzt.

16.02.1918
Unabhängigkeitserklärung Litauens, enge Anlehnung an Deutschland.
Im Frieden von Versailles wird das Memelgebiet Völkerbundmandat.

12.07.1920
Frieden von Moskau zwischen Litauen und Sowjetrussland: Litauen wird anerkannt und erhält von Moskau Vilnius zurück.

10.01.1923
Litauische Freischärler besetzen das Memelland.

22.03.1939
Unter Zwang tritt Litauen das Memelland an Deutschland ab.

23.08.1939
Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt mit geheimem Zusatzprotokoll über beidseitige Interessen in Osteuropa (Finnland, Lettland und Estland zur Sowjetunion, Litauen zunächst in die Einflußsphäre Deutschlands).

28.09.1939
Deutsch-sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag mit geheimem Zusatzprotokoll, wonach Litauen ebenfalls der Sowjetunion zufällt. Nacheinander werden Estland, Lettland und Litauen zur Einräumung von sowjetischen Militärstützpunkten gezwungen.

Ab 15.10.1939
65.000 Deutschbalten vorwiegend im Warthegau angesiedelt.

Juli/August 1940
Estland, Lettland und Litauen werden als 14., 15. und 16. Sowjetrepublik in die Union aufgenommen.

14.06.1941
Massendeportation von 40.000 Litauern nach Sibirien durch NKWD.

22.06.1941
Beginn der Besetzung des Baltikums durch Einheiten der Deutschen Wehrmacht.

1944/45
Erneute Besetzung durch die Rote Armee, umfangreiche Deportationen.

bis 1950/54
Widerstand durch Partisaneneinheiten (Waldleute).

1988
Im Sommer entstehen in allen baltischen Staaten Initiativgruppen der Volksfront gegen die Sowjetherrschaft. In den Hauptstädten Massendemonstrationen.

26.03.1989
Bei den Wahlen zum Volksdeputiertenkongreß der UdSSR erringen im Baltikum die Volksfrontkandidaten jeweils große Mehrheiten.

23.08.1989
Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius (1 Mio. Menschen) aus Anlaß des Jahrestages der Vertragsunterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts.

27.11.1989
Oberster Sowjet der UdSSR sanktioniert wirtschaftliches Selbstbestimmungsrecht der drei baltischen Staaten und genehmigt, daß sie ab 01.01.1990 ihre Gesetze dazu in Kraft setzen. Allerdings wird Selbstbestimmungsrecht nur innerhalb der Föderation gewährt.

20.12.1989
Die große Mehrheit der litauischen Kommunisten trennt sich unter Parteichef Brazauskas von der KPdSU und gründet die politische Gruppe Sajudis.

24.12.1989
Volksdeputiertenkongreß in Moskau erklärt Geheimprotokolle des Hitler-Stalin-Paktes für ungültig.

11.01.1990
Gorbatschow reist - vergeblich - nach Litauen, um die Kommunisten zur Rückkehr in die KPdSU zu bewegen.

24.02.1990
Sieg der Sajudis bei Parlamentswahlen in Litauen.

11.03.1990
Litauisches Parlament unter Präsident Vytautas Landsbergis erklärt die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens.

17.04.1990
Beginn der sowjetischen Wirtschaftsblockade gegen Litauen.

Mai 1990
Aufnahme diplomatischer Beziehungen der drei baltischen Republiken untereinander. Außenminister fordern Aufnahme in die KSZE.

23.01.1991
Anerkennung Litauens durch Island.

19.08.1991
Besetzung des Fernsehsenders in Kaunas durch SU-Truppen, Blockierung der internationalen Telefonleitungen.
Parlamentspräsident Landsbergis ruft zum gewaltlosen Widerstand gegen die Putschisten auf. Ausnahmezustand im Baltikum

27.08.1991
Anerkennung der baltischen Staaten durch EG-Staaten.

02.09.1991
Anerkennung der baltischen Staaten durch USA.

17.09.1991
Aufnahme in die Vereinten Nationen.

25.10.1992
In vorgezogenen Parlamentswahlen gewinnt die aus der ehemaligen KP hervorgegangene Arbeiterpartei LDDP eine regierungsfähige Mehrheit.

Februar 1993
LDDP-Chef Brazauskas wird zum neuen Präsidenten gewählt.

31.08.1993
Die letzten Sowjettruppen verlassen Litauen.

Oktober 1993
Bundespräsident von Weizsäcker besucht Litauen.

September 1994
Besuch von Präsident Brazauskas in Deutschland.

01.01.1995
Freihandelsabkommen mit der EU tritt in Kraft.

12.06.1995
Unterzeichnung des EU-Assoziationsabkommens (Europaabkommen).

1996
Sieg der Opposition (Heimatunion und Christl. Demokraten) bei Parlamentswahlen. Neue Mitte-Rechts-Regierung unter MP Vagnorius.

04.01.1998
Wahl von Valdas Adamkus zum neuen Staatspräsidenten Litauens.

16.01.1998
Unterzeichnung der "US Baltic Charter of Partnership" durch baltischen und US-Präsident in Washington.

01.02.1998
EU-Assoziierungsabkommen tritt für Litauen in Kraft.

22.12.1998
Todesstrafe wird abgeschafft.

März 1999
Aufhebung der Visumpflicht zu Schengen-Staaten.

17.05.1999
Staatsbesuch Bundespräsident Herzog.

Mai 2000
Besuch Bundestagspräsident Thierse.

Juni 2000
Besuch Bundeskanzler Schröder.

Oktober 2000
Parlamentswahlen; Sieg der Sozialliberalen Koalition; neuer MP Rolandas Paksas, AM Antanas Valionis.

Juli 2001
Regierungsumbildung, neuer MP Algirdas Brazauskas, Koalition zwischen sozialdemokratischer und sozialliberaler Partei.

November 2002
Einladung zu NATO-Beitrittsverhandlungen

Dezember 2002
Abschluß der Verhandlungen über den EU-Beitritt

26.02.2003
Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten Rolandas Paksas

16.04.2003
Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrags in Athen

11.05.2003
Litauen entscheidet sich in Referendum für den Beitritt zur EU